Home :: Gedichte :: Gedichte 2 :: Anagramme :: Schüttelreime :: Sonstiges :: Links :: Gästebuch :: Kontakt




Furzgeschichten


Furzgeschichten - das sind verdrehte, lustige Geschichten,
die kürzer als Kurzgeschichten sind. Eben Furzgeschichten.



Pfortsetzungsroman

Roman besaß ein großes, eingezäuntes Areal.
Er fühlte sich einsam dort,
und damit ihn mal ein paar Leute besuchen kämen,
wollte er sein kleines Anwesen einladender gestalten.
Und so fügte er ein paar Pforten in den Zaun.
Nicht, dass ihn jetzt jemand besuchte.
Aber seitdem nennt man ihn den Pfortsetzungsroman.




Bhagwan auf dem Arbeitsamt

Der von den Toten frisch erweckte Bhagwan saß im
Zimmer von Herrn Klug, dem zuständigen Fachvermittler
des AA Bremen für arbeitssuchende Religionswissenschaftler,
und fragte nach einem neuen Job.
Klug, beeindruckt von den Referenzen seines Gegenübers,
wusste aber von einer mangelnden Nachfrage nach Wiederauf-
erstandenen zu berichten: "Die Katholiken und die Evangelen haben
schon einen, und die anderen haben nach einem Religionsstifter
mit solchen Abschlüssen ausdrücklich keinen Bedarf... Wo würden
denn Sie für sich noch eine Zukunft sehen?"
"In Sekten, Herr Klug, in Sekten!", warf Osho/Bhagwan fast rufend ein.
Irritiert schwenkte Klug seine Blicke um sich herum und öffnete schnell
die oberste Schreibtischlade, um nach der dort liegenden
Insektenspray-Dose zu greifen. Den Inhalt versprühte er wahllos und
immer noch ziemlich desorientiert in den Raum.
"Alle tot!", stellte Klug erleichtert fest. Und das war auch schon
alles, was das bremische AA für einen arbeitslosen Akademiker, trotz
guter Referenzen, je zu tun vermochte.




Geschichte

Der schon lange arbeitslose Kai-Uwe van Böck, zwei mal kinderlos
geschieden und 42 Jahre alt, wohnte wieder bei seinen Eltern,
und er fasste urplötzlich den einsamen Entschluss, Geschichte zu
schreiben.
Dafür nahm er irgend ein herumliegendes Stück Papier und schrieb
das Wort "Geschichte" drauf.
Danach setzte er sich wieder in das Wohnzimmer der elterlichen
Wohnung - zum Fernsehen, wie immer - und erzählte seinem Vater von
dieser Tat.
Wie vom Donner gerührt saß der Alte nur da. Seine Gesichtszüge
verklärten sich, und er schien beschenkt, wie er nie zu träumen
wagte, beschenkt zu werden. "Mein Sohn! Mein Sohn!" stammelte der
alte Vater immer wieder, von Stolz und Dankbarkeit überwältigt,
während sein Kugelbauch im Rhythmus seines Schluchzens von unten
nach oben wippte.




Hand of Fate

Endlich fand Vincent Kock am Brink den Schneid, mit ihm mal so
richtig Tacheles zu reden: "Weißt du, was du da tust? Du suchst nach
seinen Schwachstellen, um dich an ihnen zu messen. Du ringst ihn
nieder - statt ihm die Hand zu reichen. Du machst ihn klein.
Weil du ihn nur so ertragen kannst! Du gewinnst nicht durch
seine Stärken, du gewinnst durch seinen Niedergang. Du gewinnst
nicht durch sein Leben, du gewinnst nur durch sein Sterben -
deine charakterliche Ausrichtung ist nicht lebensbejahend, sie
ist nekrophil! So kannst du vielleicht das Gefühl gewinnen, stark zu
sein - aber nur kurzfristig! Denn damit gewinnst du keine Sympathie.
Keinen Respekt, keine Freundschaft, keine Liebe und auch nicht
die Wahrhaftigkeit - das, was man so alles zum Glücklichsein
braucht. Die Menschen müssen dir Vertrauen können!
Weißt du - zu deiner technischen Intelligenz will ich mich jetzt
nicht äußern - die ist durchaus passabel. Aber deine emotionale
Intelligenz - die auch verantwortlich für das soziale Verhalten ist -
deine emotionale Intelligenzquote - also, die ist eher ein-
als zweistellig - mit Verlaub!"
Harry Tanzbein war es offensichtlich nicht gewohnt, mit so deutlichen
Worten einmal auf den Pott gesetzt zu werden. Sein Gesicht
verfinsterte sich, wie sich seine Gedanken verfinsterten. Eruptives
Gewaltbegehren hämmerte gegen eine versteinerte Mine, die es
wohl mit Mühe verbergen wollte - aber zu spät: Die Spannung entlud
sich in eine wuchtige Detonation, die Harrys Kopf und Brust in alle
denkbaren Einzelteile zerstäubte.
So geschieht es jedenfalls, wenn das Schicksal Eigennutz, Lüge,
Hass und Missgunst - und den Rechtschreibfehler des Autoren dieser
Geschichte nicht verzeiht.




1996 / 1997 / 2004



Besucher Nr:

 
Home :: Gedichte :: Gedichte 2 :: Anagramme :: Schüttelreime :: Sonstiges :: Links :: Gästebuch :: Kontakt